Auf Wiedersehen, Sambia! – Vielen Dank für´s Lesen

Unglaublich, zwölf Monate sind vorbei. Die Zeit verging viel schneller als gedacht. Ein unfassbares Jahr voller neuer Erfahrungen, Eindrücke, guter Tage und weniger guter Tage, verändernden Begegnungen und weltbildveränderten Erkenntnisse, liegt nun hinter mir.

 

 

Ich möchte mir an dieser Stelle recht herzlich bei all meinen Unterstützern bedanken. Sie haben mir dieses Jahr ermöglicht und ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet.

 

VIELEN, VIELEN DANK!

 

Ich freue mich übrigens unheimlich über alle neugierigen Fragen und Gespräche!

 

 

Mit diesem Eintrag werde ich meinen Blog nun schließen. Vielen Dank für´s Lesen! Untenstehend finden Sie ein paar Gedanken aus meinem Abschlussbericht. Sie handeln darüber, was denn eigentlich nun am Ende eigentlich bleibt.

 

Wer weiterhin auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sehr gern die Blogs meiner NachfolgerInnen verfolgen:

Meike

Sophia

Hanna

Jan Olaf

Michelle

Immo

 

Tschüß und vielen Dank,

eure Susann

 

Irgendetwas zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude - Gemischte Gefühle am Flughafen
Irgendetwas zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude - Gemischte Gefühle am Flughafen

Was habe ich hinterlassen?

 

 

Über das Jahr habe ich mich in vielen verschiedenen Bereichen engagiert und eingebracht. Doch was hatte nachhaltig Sinn? Was wird bleiben?

 

 

Natürlich werden Dinge wie der neu errichtete Netballplatz oder die schicken Handballmaterialien bleiben. Doch was wirklich zählt, sind die zahlreichen Erfahrungen und Erinnerungen der Kinder an große Sportereignisse, lehrreiche Stunden zur Sexualpädagogik, kleine Spiele und all die erlernten Charaktereigenschaften, wie Fairness und Respekt. Besonders stolz bin ich auf mein Handballteam. Die Kinder für eine neue, fantastische Sportart begeistern zu können und hart mit ihnen zu trainieren, hatte für mich eine besondere Bedeutung. Für mein Herzensprojekt war es mir besonders wichtig, dass es fortgeführt wird. Durch eine lokale Cotrainerin und die große Motivation meiner Nachfolgerin kann ich mir (fast) sicher sein, dass diese Bemühungen nicht umsonst waren. Durch unseren Workshop, in dem wir Regeln und Spielweise an sportengagierte Livingstoner vermittelten, haben wir die Basis für neue Trainer und Trainerinnen und somit weiteren Teams geschaffen.

 

 

Doch nicht nur diese greifbaren Dinge werden bleiben. In langen Gesprächen mit Lehrern oder Freunden über das Leben und die Kultur in Deutschland, konnte ich mit Vorurteilen über meine Heimat aufräumen, neue Denk- und Sichtweisen einbringen und Kontakte zwischen Menschen herstellen.

 

 

Das habe ich hinterlassen.

 

 

Jedoch sind all diese Dinge nichts dagegen, was dieses Jahr in mir hinterlassen hat.

 

 

Ich habe sehr viele positive und einige negative Erfahrungen gemacht. Ich habe in einer völlig anderen Kultur gelebt, gegessen, gelacht, geweint,und festgestellt, dass sie vielleicht doch gar nicht so anders ist, wie man dachte. Ich habe Vorurteile über Bord werfen müssen, um mich unbefangen auf alles Neue einlassen zu können. Ich habe Fehler gemacht, ich bin gescheitert. ich musste an meine Grenzen gehen. Dem Bewusstsein, was ich alles kann, folgte die Erkenntnis darüber, was ich alles nicht kann.

 

Dieses Jahr hat Spuren in mir hinterlassen und mir Erkenntnisse gebracht, die ich nie missen möchte. Insbesondere geht es dabei um meine Identität als Frau, Deutsche, Europäerin, Weiße, … in der Welt.

 

 

Dazu vielleicht ein Beispiel:

 

Zu Beginn meines Jahres hat es mich furchtbar geärgert, dass immer alle dachten ich hätte unendlich viel Geld und wäre unsterblich reich. Zu diesem Urteil kamen viele Leute aufgrund meiner weißen Hautfarbe. Ich fande es ungerecht, so beurteilt zu werden und fühlte mich mit meinem weltwärts-Taschengeld nun wirklich nicht reich. Ich konnte nicht verstehen, wie die meisten Leute in Livingstone so undifferenziert denken konnten. Doch im Laufe meines Aufenthaltes begann ich, ohne Gehaltserhöhung oder Ähnlichem, zu verstehen: Die Leute haben recht. Ich bin reich. Und die anderen Weißen um mich, seien es Europäer, Amerikaner oder Südafrikaner sind auch reich. Erstens sind die meisten Weißen in Livingstone Touristen und die haben nun mal im Vergleich zu dem Durchschnittsbürger Livingstones sehr viel Geld, denn sie können sich teure Safari und schicke Hotels leisten. Dass es auch in Deutschland Obdachlose und arme Menschen gibt, bekommt man hier nicht zu sehen.

 

 

Doch ich war kein Tourist, sondern nur Freiwilliger. Und dennoch bin ich reich. Warum? Weil ich finanzielle Sicherheit besitze. Das bedeutet, wenn mein Fahrrad kaputt geht, oder ich ins Krankenhaus muss, wenn Handys geklaut wurden, oder der Kühlschrank repariert werden muss, dann war das kein großes Problem. Ausgaben, die man im monatlichen Budget nicht mit einrechnet, waren, auch wenn es zurerst vielleicht schwierig aussieht, schlussendlich immer machbar. Irgendwo hatte man sich schon etwas Geld zurückgelegt. Ich musste mir keine großen Sorgen machen, ich werde im Alter Rente beziehen, und bei Berufsunfähigkeit nicht am Hungertuch nagen. Ich bin reich, weil alle alttäglichen Herausforderungen, nie meine Existenz gefährden. Diesen Reichtum besitzen viele Menschen hier nicht. Eine Reparaturrechnung von 300 Kwacha, circa 30€, stellen ein plötzlich ein unüberwindbares Hindernis dar. Jetzt denkt man als neunmalkluger Europäer, der die Welt verstanden hat, warum legen diese Leute denn nicht etwas Geld zurück? Das ist einfacher gesagt als getan, denn selbst wenn am Ende des Monat etwas von deinem Gehlt übrig sein sollte, dann hast du immer noch eine Familie. Und mit Familie meine ich nicht deine Eltern, Kinder und Geschwister, sondern Cousinen, Tanten, Großcousinen, Schwager, etc. In einer Gesellschaft mit sehr geringer staatlicher Absicherung stellt deine Familie das Netz dar, dass dich auffängt. In Sambia würde kaum jemand einem Familienmitglied die Hilfe verweigern, denn im nächsten Augenblick bist du vielleicht selbst in Not.

 

 

Was ich mit diesem Bespiel sagen möchte, ist, dass ich gelernt habe, dass ich Dinge, Verhaltensweise und Traditionen anderer Kulturen nicht mit meiner europäischen, bzw. deutschen Sichtweise beurteilen kann. Ich habe verstanden, dass man erst den Hintergrund, kulturelle Zwänge, historische Verknüpfungen beleuchten muss, bevor man jemanden für sein Verhalten verurteilen könnte.

 

 

Außerdem habe ich ein Bewusstsein für mich selbst entwickelt. Viele Dinge kann man an sich selbst ändern, um sich in einer anderen Kultur einzuleben und zu integrieren, um dort gut leben zu können. Doch man sollte nicht alles über Bord werfen. Sich trotz Anpassung und Respekt der ansässigen Lebensweise sich selbst treu zu bleiben, ist ein Spagat, den es sich zu üben lohnt. Denn nur so konnte ich herausfinden, was mir an meiner eigenen Kultur und kulturell bedingten Handlungsmustern gefällt, und was sich zu ändern lohnt.

 

 

Mein Blickwinkel auf so Vieles hat sich geändert. Seit einem Monat bin ich nun zurück in Deutschland und ich weiß nicht, wie oft ich die Sätze: „Nicht ganz Sambia ist arm.“ und „Afrika ist kein Land.“ gesagt habe.

 

 

Es ist schwer nach so kurzer Zeit den Versuch zu unternehmen, niederzuschreiben, was dieses Jahr in Sambia mit mir gemacht hat. Vieles ist noch sehr frisch und Reflektion gelingt besser aus der Ferne, doch eines ist mir glasklar:

 

 

Ein ganzes Jahr mit „weltwärts“ und dem ASC Göttingen nach Sambia zu gehen, war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich wünschte, jeder junge Mensch würde sich entschließen, diese Möglichkeit wahrzunehmen und sein Verständnis für die Welt und für sich selbst zu erweitern. Ich bin unglaublich dankbar, Teil dieses Programmes gewesen sein zu können und hoffe sehr, dass auch in Zukunft junge Menschen solch tiefgehenden Erfahrungen machen können. Der Wert dieses Programmes liegt nicht in der Entwicklungsarbeit, die wir „Weltwärtsler“ vor Ort vollbringen, sondern in der Entwicklungsarbeit, die während dieser Zeit in uns selbst vollbracht wird.

 

 

 

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Unser allererstes Handballspiel

Montagmorgen, es ist Feiertag und mein allerletzter Tag in Sambia. Mit etwas sambische Verspätung sitzen wir, 25 handballbegeisterte Mädchen und Jungen plus Trainerstab in einem kleinen, gemieteten Bus in Richtung Kazungula. Die Grenzstadt zu Botswana liegt eine halbe Autostunde entfernt. Allen ist die Aufregung anzumerken.

 

 

Mit dem Handballteams aus Kazungula wollen wir uns heute messen. Als wir ankommen, ist schon alles vorbereitet. Nach dem Aufwärmen geht es auch schon los mit dem Spiel der Mädchen. Die heutige Spielpremiere wird von meiner Nachfolgerin Meike, die das Team nach meiner Abreise übernehmen wird, gepfiffen. Die Mädchen schlagen sich gut, doch unsere Gegnerinnen sind uns überlegen. Nach und nach sieht man jedoch, wie sehr sich die Mädchen gegenseitig anspornen und immer besser werden. Es scheint, als hätten sie erst jetzt das Spiel so richtig verstanden. Nach fünfzig Minuten folgt der Abpfiff. Trotz Niederlage bin ich unheimlich stolz auf das, was die Mädchen hier gezeigt haben!

 

 

Danach spielen die Jungs, welche sich nicht vom Gegner dominieren lassen und gute Spielzüge an den Tag legen. Ehrgeizig und diszipliniert holen sie den Rückstand auf, doch müssen sich am Ende auch mit 2 Toren Rückstand geschlagen geben.

 

 

Am Ende spielen wir Coaches am Ende gegen die A-Jugend aus Kazungula. Es machte unheimlich viel Spaß nach einem Jahr, wieder selbst auf dem Spielfeld zu stehen.

 

 

Auf der Rückfahrt sind alle ziemlich k.o. Zurück in Kazungula muss ich mich bei meinen Handballkids auf unbestimmte Zeit verabschieden. Es fiel mir wirklich schwer, doch ich weiß, dass mein Team bei Meike und Neria in guten Händen ist!

 

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Abschiedsgrillen für unsere Wegbegleiter

Viele, sehr unterschiedliche Menschen haben uns über das Jahr hinweg in den verschiedenen Projekten begleitet, uns geholfen und mit Rat und Tat beseite gestanden.  Als Dankeschön und zur ordentlichen Verabschiedung luden wir all diese Lehrer, Betreuer, Trainer und Volunteers zum gemeinsamen Grillen ein. Dabei nutzen wir die Gelegenheit allen unsere Nachfolger vorzustellen und somit für sie das erste Eis zu brechen.

 

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SOS-Cup - Unser letztes Fußballturnier

Am letzten Samstag vor unserer Ausreise trommelten wir ein letztes Mal unsere Fußballteams und befreundete Mannschaften zusammen. Acht Jungsteams und vier Mädchenteam kämpften von früh  bis spät um den Pokal. Der „SOS Cup“, inspiriert bei unseren Vorgängern findet auf dem Gelände des „SOS Kinderdorf Livingstone“, ein großes Waisenheim, mit dem der ASC Göttingen jetzt schon in zweiter Generationen eng zusammenarbeitet.

 

 

Eine ganz besondere Erfahrung war unser Turnier für „die Neuen“. Nur einen Tag zuvor landeten unsere sechs Nachfolger aus Deutschland in Livingstone und konnten gleich alle Teams und Organisationsstrukturen kennenlernen. Außerdem besuchte uns Nina, meine Vorgängerin, und so waren plötzlich drei Generationen von weltwärts-Freiwilligen hier auf dem Fußballfeld versammelt.

 

Dank zahlreicher Spendengelder konnten wir Materialien, Transport, Mittagessen und kleine Preise organisieren, sodass keine finanzielle Belastung für die Teams entstand. Vielen Dank dafür!

 

 

Am Ende kührten wir drei Siegermannschaften und verabschiedeten uns traurig von unseren Kindern, die uns über das Jahr so oft zum Lachen brachten und uns stolz machten, aber auch so manchen Nerv raubten. Ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass man sie wahrscheinlich nie wieder sehen wird.

 

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Handballworkshop: Wir coachen Coaches

Um Handball langfristig und nachhaltig in Livingstone zu etablieren, braucht es motivierte Trainer, die eigene Teams starten und ihren Sportlern und Sportlerinnen die Grundlagen dieses Spieles sicher vermitteln können. Doch wie soll man ein Team coachen, wenn man selbst keinerlei  Erfahrung hat? Nelia und ich packen das Problem am Schopf und veranstalten einen eintägigen Workshop rund um das Thema Handball: Wir coachen Coaches!

 

Samstagmorgen – zwölf interessierte Trainer, Sportlehrer und Jugendgruppenleiter berichten beim Anfangsspiel, dass sie überhaupt keine Ahnung von Handball haben. Nun gut, dann haben alle wenigstens die gleichen Ausgangsvorraussetzungen. Als ich ihnen erstmals zeige, wie ein Handball aussieht, war der erste erstaunte Kommentar: „Der ist ja klein!“.

 

Zum Wachwerden am Morgen werden die ersten Pässe und Sprungwürfe mit einem Handball ausprobiert. Die ersten Torwürfe sehen gar nicht mal so übel aus. Danach setzen wir uns zusammen ins Klassenzimmer. Nelia und ich haben den Workshop so konstruiert, dass ein stetiger Wechsel zwischen Theorie und Praxis besteht, damit keine lange Weile aufkommt. Außerdem kann man so das theoretisch Gelernte gleich in die Praxis umsetzen und so besser verinnerlichen.

 

Basics, Angriffs- und Abwehrtaktiken, Einwürfe, Abwürfe, Auswechslungen, und vieles vieles mehr: Nelia und ich reden uns den Mund fusselig und stecken mit unserer Begeisterung an. Während der Mittagspause schauen wir „Deutschland gegen Dänemark“, ein WM-Spiel, welches ich im Vorhinein runtergeladen habe und jetzt einen Eindruck vermitteln soll, wie professioneller Handball aussieht.

 

Danach findet das Highlight des Tages statt: Nach unzähligen Übungen teilen wir uns in zwei Teams auf und spielen ein Handballspiel. Spätestens an diesem Punkt springt bei allen der Funke über. Jeder ist motiviert und konzentiert dabei und es macht allen viel Spaß.

 

 

Bei der abschließenden Feedbackrunde wird mein Eindruck bestätigt. Die sportlichen Teilnehmer, von denen viele Fußball-, Basketball oder Netballteams leiten, sind hellauf begeistert und wollen Handball an ihrer Schule einführen. Ganz so einfach, wie sich das sagen lässt, ist es dann zwar doch nicht. Doch wer weiß, vielleicht haben wir bald eine eigene kleine Handballliga in Livingstone.

Den Grundstein dafür haben wir gelegt.

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Tagesausflug nach Simbabwe

Es ist Sonntagmorgen, Sarah und ich sitzen im Minibus in Richtung Grenze. Livingstone liegt nur 15 Minuten Autofahrt von der simbabwischen Grenze entfernt. Die beiden Länder werden vom Sambesi voneinander getrennt, sodass man zum Überqueren der Grenze über die tiefe Batoka-Schlucht, circa einen Kilometer unterhalb der Viktoriafälle, überwinden muss. Doch nichts leichter als das, denn seit 1905 verbindet eine Stahlbrücke (Victoria Falls Bridge) beide Länder. Am simbabwischen Grenzposten zahlen wir für unser Visa. Aufgewachsen im Luxus des Schengenraumes kommt es mir komsich vor, dafür zu zahlen, eine Ländergrenze zu überwinden.

 

 

Livingstone, Sambia und Victoria Falls (Stadtname), Zimbabwe, teilen sich die Viktoriafälle. Jedoch sind beide Länder von der tiefen Schlucht getrennt. Die Viktoriafälle auf der simbabwischen Seite sind bedeutend „länger“, das heißt, der riesige Wasservorhang erstreckt sich hier über eine größere Distanz. Sarah und ich sind wieder einmal aufs Neue von diesem Naturschauspiel angetan, nur waren wir etwas mehr Ruhe von der sambischen Seite aus gewöhnt, denn viele Touristen besuchen in dieser Jahreszeit Victoria Falls.

 

 

Danach spazierten wir etwas durch die angrenzende Stadt Victoria Falls, welche uns im Vergleich zu Livingstone ausgestorben und künstlich erschien.

 

 

Den Tag ließen wir im ältesten Hotel Victoria Falls ausklingen, welcher besetzt von viel zu reichen Menschen, aufgrund von Bau und Einrichtung einen zurück in die Kolonialzeit schleuderte. Seltsam fühlte sich das an. Den schönen Ausblick konnte das aber nicht vermiesen.

Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Hause, ins quirrlige Livingstone.

 

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Ein Traum wird wahr - Handball in Livingstone

Gefühlt habe ich mein Leben lang nie etwas anderes gemacht: Handballspielen! Zehn Jahre lang bin ich jede einzelne Woche mit meinem Team durch die Heidenauer Halle rannt, haben geschwitzt und geackert. Doch dann,  August 2016, hieß es: Goodbye Deutschland,  Goodbye Handball.

 

Nun, 11 Monate später wird mein Traum wahr! Ich darf präsentieren: Meine Handballmädchen und -jungs!

 

Wie ist es dazu gekommen?

 

 

Handball ist hier in Sambia leider noch sehr unbekannt. Doch die Begeisterung für diese herrliche Sportart wächst und wächst. In vielen Städten gibt es erste Handballschulteams. Nur noch nicht in Livingstone. Das soll sich ändern.

 

Mitte Juni, Zambezi Primary School. Neria, eine ehemalige sambische Nationalspielerin, die vor kurzem nach Livingstone gezogen ist, und ich pfeiffen das erste Training an. Es ist herrlich chaotisch. Erste Passübungen und die Dreischrittregel sollten erstmal ausreichen. Neria und ich arbeiten beide mit der NGO Sport In Action zusammen, welche, begeistert von unserer Idee, uns in der folgenden Woche Torpfosten aus Lusaka zusendet. Mit Hacke und Seil markieren wir Linien auf dem Sand-Grass-Staub-Boden und färben sie mit weißem Kalk. Auf diesem Untergrund ist ein Prellen des Balles auf dem Boden zwar nicht möglich, aber gute Handballspieler sollten ja sowieso mehr passen als dribbeln.

 

 

Zweimal wöchentlich treffen wir uns nach der Schule auf dem Sportplatz. Die Jungen und Mädchen sind sechste bis achte Klasse und hochmotiviert.

 

 

Doch meine sechs alten Handbälle, die ich im August letzten Jahres mitgebracht hatte, reichen für ein effektives Training mit teils bis zu 40 Kindern nicht aus. Außerdem fliegen die Bälle auf dem riesigen Sportplatz sehr weit, weil Tornetze fehlen.

 

 

Es ist der 4. Juli, ein riesiges Paket aus Deutschland, genauer gesagt aus Heidenau, erreicht Livingstone. Ich hüpfe vor Freude durchs Haus. Im Paket befinden sich viele verschiedene Bälle, darunter 13(!) Handbälle, und das Allerbeste: Tornetze!

 

 

Meine langjährigen Handballtrainer Frank und Lutz Müller vom SSV Heidenau haben von weit entfernt in der Heimat ungenutze Materialien zusammengestellt und auf die 7760 Kilometer weite Reise geschickt.

 

 

Endlich ist es Freitag. Schon die gesamte Woche habe ich mich auf diese Trainingeinheit gefreut. Das erste Mal können wir mit Tornetzen und zahlreichen Bällen trainieren. Unsere Spielerinnen und Spieler sind aus dem Häuschen. Nachdem wir uns nach der Erwärmung nochmal kurz zusammengesetzt haben und über Disziplin und Konzentration gesprochen hatten, folgte die beste Trainingseinheit die wir je hatten. Sarah, meine deutsche Co-Trainerin  und ich bestaunen kreative Spielzüge und eine aktive Abwehr im Zwei-gegen-zwei. Die Sprungwürfe werden immer besser. Alles in allem: Es fängt an, wie Handball auszusehen!

 

 

Es ist schwierig, einen Sport zu vermitteln, den die Kinder noch nie gesehen haben. Doch von Trainingseinheit zu Trainingeinheit machen wir riesen Schritte vorwärts. Die Unterstützung der Schule, an dem wir das Handballprojekt gestartet haben, ist riesig! Und die Begeisterung bei den Spielern auch!

 

 

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Frank und Lutz Müller vom SSV Heidenau bedanken! Einfach unglaublich, wie schnell und mit welche großer Selbstverständlichkeit Sie meinen „Hilferuf“ erhört haben und die Räder zuhause ins Rollen gebracht haben. Jahrelang haben Sie mir das Handballspielen beigebracht, haben mich motiviert und kritisiert. Nun stehe ich am gleichen Punkt, wie Sie vor vielen Jahren.  Ich habe endlich die Chance das viele Wissen, welches Sie mir über die Jahre beigebracht haben, weiterzugeben. Mit den zahlreichen Materialien ist es mir möglich, eine neue Sportart (und gleichzeitig die beste Sportart überhaupt) hier in Livingstone einzuführen und den Geist des Handballs etwas weiter in die Welt zu tragen.

 

VIELEN DANK!

 

 

In diesem Sinne auch ganz liebe Grüße an all meine Mädels und Trainer vom SSV Heidenau!

 

 

 

Hier ein paar Fotos, von unseren letzten Trainigseinheiten. Auf den letzten sieht man dann die vielen tollen Bälle und unsere schicken Netze.

 

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Kurztrip an den Lake Kariba

Samstagmorgen, total verpennt sitzen Fabian, Niklas, David und ich im Bus nach Kafue. Dank zweier Feiertage haben wir ein langes Wochenende und wollen dieses am Lake Kariba in Siavonga verbringen. Nach acht Stunden Fahrt sind wir da. Siavonga ist ein verschlafenes Nest, doch am Strand liegen viele schicke Lodges uund Ferienhäuser. Wir bauen unsere Zelte auf einem Campingplatz direkt am See auf. Der riesige See vermittelt sofort Urlaubsstimmung und man möchte am liebsten gleich ins Wasser springen. Doch bei der großen Krokodilpopulation des zweitgrößten Stausees der Erde, überlegt man sich das mit dem Badengehen zweimal.

 

 

Am Sonntag haben wir uns die Staumauer angeschaut, die die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe darstellt. Die 617 Meter lange Staumauer wurde 1958 fertig gestellt. 1960 ließ Queen Elizabeth II. feierlich die Generatoren starten, denn damals waren Sambia und Simbabwe noch unter britischer Kolonialherrschaft und bekannt als Nord- und Südrhodesien. Seitdem versorgen zwei getrennte Kraftwerke die zwei Länder mit Strom.

 

 

Montag morgen ging es dann mit Paddel und Schwimmweste auf den See. Nach dem Mittagessen bekamen wir dann altbekannten Besuch: Sarah, weltwärts-Freiwillige aus Livingstone, ist für unseren letzten Abend vorbeigekommen. Gemeinsam sind wir am Abend mit einem Boot auf dem See rumgeschippert. Kurz vor Sonnenuntergang sind viele kleine Fischerboote auf den See rausgefahren. Der Lake Kariba hat große Fischvorkommen. Insbesondere Kapenta, eine in Sambia sehr beliebte Sardinenart, wird hier gefischt.

 

 

Am Dienstag ging es schon wieder auf den Rückweg, erst zwei Stunden eingequetscht im Minibus nach Kafue, danach 6 Stunden im Reisebus zurück nach Hause. Jetzt brechen die letzten Wochen in der neuen Heimat an und langsam beginne ich, trotz Vorfreude, wehmütig zu werden.

 

 

Übrigens wird es hier gerade immer kälter. Morgens gefriert einem sogar der Atem. Zur Mittagszeit ist es angenehm warm bis heiß. Sobald 18 Uhr die Sonne weg ist, wird es schnell richtig frisch. Geregnet hat es seit Wochen nicht mehr. Aufgrund der Kälte und der Trockenheit wird die Vegetation wieder karger, Grass verdörrt und Bäume werden kahl.

 

 

Liebe Grüße aus der Ferne,

eure Susann

 

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2. ASC Footballcamp: Mini Africa Cup

Ein Wochenende, 150 Jungs, 3 Spielfelder, 60 Matratzen und ein Pokal:

 

 

Wir veranstalten das zweite ASC-Footballcamp!

 

 

Unsere Vorgänger haben dieses Fußballturnier letztes Jahr unter dem Motto der Europameisterschaft ins Leben gerufen. Wir, die vier diesjährigen ASC-Freiwilligen, griffen die Idee auf und führten ein ähnliches Turnier mit dem Motto „Mini Africa Cup“ durch.

 

 

Samstagmorgen, zu Sonnenaufgang beginnen wir mit den letzten Vorbereitungen, Brötchen schmieren, Tore aufbauen, Tische hinstellen. Zehn Teams, mit denen wir über das Jahr zusammengearbeiten haben, mit jeweils fünfzehn Spielern, sind eingeladen. Das erste Team kommt 6:55Uhr, das letzte 10.30Uhr. Ein Hoch auf Zambian Time!

 

 

Alle Kinder müssen ein Los ziehen, auf dem ein Ländername steht und sie in neue Teams einteilt. Team „Ivory Coast“ ist dann zum Beispiel mit Team „Algeria“ in einer Gruppe. Somit vermischen sich die Mannschaften und ein ganz neuer Teamgeist entsteht. Insbesondere wenn Kinder mit sehr unterschiedlichen sozialem Hintergrund plötzlich in einem Team zusammenspielen, kommt es zu Begegnungen, die so vielleicht nie stattgefunden hätten. Oder wie wäre es jemals dazu gekommen, dass ein Schüler der teuersten Schule Livingstones, der Accacia Primary School, und ein Schüler der Linda South Primary School, einer einfachen Compound-Schule, zusammen Fußball zu spielen?

 

 

Samstag ist Gruppenphase, vier Gruppen mit jeweils vier Teams. Nach etwas holprigen Anfang, läuft dank der zahlreichen Helfer und einigen engagierten Coaches alles wie am Schnürrchen. Wenn ein Team gerade einmal kein Spiel hat, dann wird die Pause effektiv genutzt. Unsere Freunde von „Sport In Action“ machen mit den Jungs Lektionen zum Thema Gruppenzwang und HIV/AIDS, verbunden mit kleinen Spielen. Motiviert durch die sportliche Betätigung saugen die Kinder die Informationen förmlich in sich auf.

 

 

Nach dem Abendbrot wird dann das Clubhaus des Austragungsortes bezogen. 150 Jungs auf 60 Matratzen in einem Raum, was für ein Spaß! Zum Einschlafen wird noch ein Film geschaut. Doch an einschlafen war so schnell nicht zu denken. Wie bekommt man nur 150 dreizehnjährige Jungs in einem Raum zu still sein? Hm. Gar nicht. Schlussendlich sind dann doch irgendwann endlich eingeschlafen.

 

 

Sonntagmorgen, es ist stockdunkel. Plötzlich sind alle wach und fangen an, energiegeladen durch die Gegend zu rennen. Die Betreuer ziehen sich alle nochmal die Decke über den Kopf. Wo nehmen die Kinder nur so viel Energie her?

 

 

Nach dem Frühstück wurden Halb- und Viertelfinals gespielt. Auch heute gab es Lektionen von Sport In Action, diesmal mit dem Thema „Genderbased Violence“ (geschlechterbasierte Gewalt) und Missbrauch. Nach dem Mittag spielte Team Mali gegen Team Zimbabwe um den dritten Platz. Mali konnte sich in einem spannenden Spiel durchsetzten. Der Höhepunkt des Turniers war das Finale zwischen Cameroon und Burkina Faso. Gespannt fieberten alle Teilnehmer am Spielfeldrand mit. Am Ende hieß der Sieger des „Mini Africa Cups“ Cameroon, sowie zufälligerweise auch der diesjährige Sieger des echten Africa Cup Of Nations.

 

 

Bei der Siegerehrung erhielten alle Spieler einen Fairplay-Preis. Für die ersten drei Plätze gab es kleine Extrapreise. Danach ging es für alle mit einem Lächeln und einer wunderbaren Erfahrung wieder nach Hause.

 

 

Nachdem alles aufgeräumt war, fielen wir alle, glücklich und sehr erleichtert, wie tot ins Bett.

 

 

Das gesamte Turnier wurde von Ihren Spenden und den Spendengeldern der anderen Freiwilligen finanziert. Somit konnten wir allen eingeladenen Teams die Teilnahme ermöglichen, denn Ihnen entstanden während des Turniers keinerlei Kosten. Ich möchte mich von ganzem Herzen für Ihre Unterstützung bedanken! Dank Ihrer Hilfe konnten wir 150 Jungs eine tolle sportliche Erfahrung ermöglichen, die von Fairplay und Teamgeist geprägt war. VIELEN DANK!

 

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Girls In Action Netball Tournament

Wir sind herrlich sambisch anderthalb Stunden zu spät. Alle zehn Mädchen sind endlich sitzen endlich in Minibus und wir fahren in Richtung Austragungsort, eine Schule im Stadtzentrum an. Hier findet ein Netballturnier für 60 Mädchen verschiedener Schulen statt. Zehn davon sind aus meinem Netballteam. Die Verspätung ist mir zuerst sehr unangenehm. Als ich feststelle, dass wir trotz neunzigminütiger Verspätung nicht die letzten sind, bin ich beruhigt. Sechs Netballteams unterschiedlicher Schulen fordern sich heute gegenseitig heraus. Organisiert und finanziert wurde das Turnier von der lokalen NGO „Sport In Action“, mit welcher wir hier eng zusammenarbeiten. Die Spiele verliefen aufgrund großer Niveauunterschiede oftmals ziemlich deutlich. Doch neben der sportlichen Herausforderungen hatten die Mädchen noch eine weitere Aufgabe. Jede musste sich bei alles drei Informationsständen verschiedener NGO´s über das Thema „Gender Based Violence“ (insbesondere sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen etc.) informieren. Motiviert durch die Spiele, saugten die Mädchen die ihnen gegebenen Informationen förmlich auf. Am Ende wurde mein Team leider im Finale geschlagen. Am Nachmittag machten wir uns dann lächelnd und ein klein bisschen schlauer auf den Rückweg. Die Freude über den zweiten Platz wurde durch ohrenbetäubend lautes Singen im Minibus zum Ausdruck gebracht.

 

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Bilder aus Namibia

Hier seht ihr ein paar visuelle Eindrücke aus unserem wunderschönen Namibia-Urlaub. Zwei Wochen lang sind wir mit einem kleinen, gemieteten Polo und einem Zelt quer durch Namibia gedüst, haben rote Dünen in Sossusfley erklommen, deutsches Sauerteigbrot in Swakopmund genossen und atemberaubend schöne Sonnenuntergänge an der Spitzkoppe bestaunt.

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Was ist eigentlich so los bei dir, Susann?

Bei mir ist wie immer eine Menge los! Der letzte Artikel ist schon wieder lang her und es gibt viel zu berichten.

Viel Spaß beim Lesen! :)

Ich habe Besuch!

 

Es ist schon lange dunkel als ich meine drei Abenteurer aus der Heimat am Busbahnhof ganz fest in den Arm nehme. Da stehen sie, in meiner neuen Zuhause. Michi, Olli und August sind in Livingstone. Zwei Wochen lang haben die drei versucht, so viel wie nur irgendwie möglich von Sambia, von Livingstone, in sich aufzusaugen. Es tat unglaublich gut, ihnen zeigen zu können, wie es hier aussieht, anstatt immer nur zu erzählen. Wer Interesse hat, mehr zu erfahren, der sollte die drei einfach mal darauf ansprechen.

 


Sport, Sport, Sport

Auf die Plätze, fertig, LOS!

Interhouse Competition

 

Zambezi, Luangwa, Kafue, Luapula, eigentlich sind das die größten Flüsse Sambias, doch an diesem Tag bedeuten sie etwas anderes. Sie sind die Namen unserer Houses („Häuser“) für die Leichtathletik Interhouse Competition. Die gesamte Schule wurde in diese vier Gruppen eingeteilt, von erster bis siebter Klasse. Die House Master haben die besten Athleten ihrer Häuser identifiziert und für die vielen verschiedenen Rennen aufgestellt. Ich war Zambezi House Master und habe den ganzen Tag eine Herde Kinder um mich versucht zu koordinieren, so dass rechtzeitig alle beim Rennen sind. August, Michi und Olli waren Kampfrichter. Gerannt wurden die verschiedensten Distanzen und jede Disziplin hatte seinen Experten. Das Ziel des Tages war nämlich nicht nur, den Kindern einen schönen Tag zu bescheren, sondern auch die Besten der Besten herauszufinden, welche wir dann zur Teilnahme an der Interschool Competition nominierten.

 

Interschool Competition

Level 2, Interschool Competition bei einer Nachbarschule. Aufgeregt und in Schultrikots gekleidet sehe ich strahlende Gesichter unserer Deligation für den Leichtathletikwettkampf zwischen den Schulen. Beginne sollte der Wettkampf um 8, 11:30Uhr wurde endlich eröffnet. Ich habe hier schon viele nicht sehr gute organisierte Events erlebt, dieses jedoch war der Höhepunkt. Teile der Laufbahn (in den Staub eingegrabene Rillen gefüllt mit Kalk) standen komplett unter Wasser. Somit waren alle die ersten Stunden damit beschäftigt, das Wasser von der Bahn zu bekommen. Da ich die Hoch- und Weitspringer bei mir in der Schule trainiert habe, war ich Betreuerin für diese. Auf verwunderte Nachfrage, wo denn die Sprungwettkämpfe stattfinden sollen, wurde mir mitgeteilt, dass diese ausfallen, weil man es nicht geschafft hätte, Sprunggruben vorzubereiten. Wenig begeistert stapfte ich zu meinen Springer um ihnen die enttäuschende Nachricht zu überbringen. Als dann aber die Rennen losgingen und alle lauthals ihre Mitschüler anfeuerten, war aller Frust vergessen und alle Teilnehmer haben es sehr genossen. Unsere kleine Linda South Primary School wurde Vierter von sechs Teilnehmern, zur großen Freude der Lehrerschaft, da man  in den Vorjahren immer nur Vorletzter geworden ist. Bei der Siegerehrung wurden wieder die Besten aller Schulen zu einem Team zusammen gestellt, um sich als Southern Zone Team mit den anderen Zonenteams aus Livingstone messen zu können.

Interzone Competition

Simoonga (meine alte Einsatzstelle) hatte die Ehre Level 3 der Leichtathletikwettkämpfe auszutragen. Ich habe mich gefreut, dass die wachsende Dorfschule, sich dieser Herausforderung annimmt, jedoch liegt die Schule am Hang, sodass die komplette Laufstrecke abschüßig war. Hier war ich nur Besucher und habe gute Organisation und tolle Stimmung genossen. Ich habe in Deutschland einige Leichtathletikwettkämpfe miterlebt, aber dass Kinder wie Lehrer einfach komplett ausrasten vor Freude, das ist einfach Sambia.


Netball – Neue Pfosten, 7 Spieler, ein Ball und jede Menge Spaß

Darf ich präsentieren? Unser nigelnagelneuer Netball-Ground!

Mithilfe Ihrer Spendengelder konnte ich für die Schule und die ganze Community um die Schule herum neue Netball-Ringe anfertigen lassen. Seitdem wird jeden Dienstag und Donnerstag fleißig trainiert. VIELEN DANK!

 

Netball ist eine Ballsportart, die wir in Deutschland gar nicht kennen, aber hier ganz groß ist. Man kann sich Netball ein wenig wie eine softe, kontaktlose Version des Basketballs ohne Prellen oder Schritte mit dem Ball vorstellen. Geworfen wird auf einen Ring in circa drei Meter Höhe ohne Brett. Eine Besonderheit ist die Zuordnung der Positionen, die beschränkt, welchen Teil des Spielfeldes, welcher Spieler betreten darf. So ist es beispielsweise nur zwei Spielern pro Team erlaubt, auf den Ring zu zielen.
Das Spiel macht den Mädchen richtig viel Spaß. Aber auch die Jungs finden mehr und mehr gefallen daran. Obwohl es nicht ansatzweise so wunderbar wie Handball ist (Grüße an meine Handballmädels), finde auch ich mich mittlerweile als mitfiebernder Coach am Spielfeldrand.

Im März fanden dann (Kurz nach Errichtung des Netballfeldes) die Schulwettkämpfe rund um Ballsportarten (Fußball, Netball, Volleyball) statt. Leider konnte ich nicht persönlich die von mir zusammengestellten Netballteams begleiten (Girls U13, Girls U17, Boys U17) , da wir an diesem Wochenende Zwischenseminar hatten. Berichten zufolge haben wir leider in Netball leider nicht allzu gut abgeschnitten. Das heißt, besser und ernsthafter trainieren. Es hängt häufig immer noch an einfachen Regelverstößen, die es zu vermeiden gilt. Also trainieren, trainieren, trainieren.


Zwischenseminar

Vom 25. bis 26. März hatten wir in kleiner Runde unserer zweites Zwischenseminar. Beim ersten Zwischenseminar Mitte Dezember war Daniel vom ASC zu Besuch und hat uns 4 Livingstone-Freiwilligen gemeinsam mit Nina durch die verschiedenen Themen geleitet.

Im März saßen wir also in kleiner Runde (meine Mitfreiwilligen Conny, Niklas, Fabian und Projektcoordinatorin Nina) in einem Klassenzimmer der Accacia International School (Projektstelle von Conny und Niklas) zusammen. Obwohl wir alle unter einem Dach wohnen und Nina oft sehen, gab es dennoch Gesprächsbedarf über verschiedene Themen. Für mich war es schwierig schon jetzt über die vergangene Zeit zu reflektieren. Dennoch stellten wir vier fest, dass wir im Hinblick auf letzten August, definitiv verändert haben. Ausklingen ließen wir das Wochenende mit einem Abendessen beim Inder, darauf haben wir uns alle am meisten gefreut.


Girls In Action – Psst! Nur Mädchen erlaubt!

Montag und Freitag heißt es: „Girls time!“. Für die Mädchen der Klassen 5,6 und 7 gibt es seit ein paar Wochen einen Grund mehr sich auf die Schule zu freuen: GIRLS IN ACTION, ein Programm der lokalen NGO „Sport In Action (SIA)“, mit welcher wir 4 ASC-Freiwilligen hier in Livingstone zusammenarbeiten. Das Programm hat zum Ziel, Mädchen und junge Frauen über verschiedene Themen aufzuklären und dafür zu sensiblisieren, Selbstvertrauen zu stärken und Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln, um sich selbstständig vor falschen Entscheidungen und gefährlichem Verhalten schützen zu können. Themen sind beispielsweise Pubertät, HIV/AIDS, Hygiene, Drogenmissbrauch, Gender Based Violence, sexuelle Aufklärung und Life Skills. Diese Themen werden mit einfachen traditionellen Spielen, die den Mädchen sehr viel Spaß machen, verknüpft.

Gemeinsam mit Peter, einem äußerst engagierten, lokalem Freiwilligen von SIA, setzen wir uns zweimal wöchentlich mit den Mädchen zusammen unter einen Baum und diskutieren, räumen falsche Fakten aus dem Weg, spielen Spiele, haben Spaß und lernen jedes Mal etwas Neues.


Gerade eben haben wir mit den neuen, ziemlich aufgeregten, Freiwilligen geskyped, die im August unsere Stellen übernehmen werden.

Morgen fahre ich mit Freunden nach Namibia (20 Stunden Busfahrt juhu!).

Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter. :)

Frohe Ostern und bis bald!

Eure Susann

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Ja, ich lebe noch ;-)


Und jetzt kommen auch endlich mal wieder ein paar Neuigkeiten von mir. Erschreckenderweise habe ich gerade festgestellt, dass das neue Schuljahr jetzt schon fast vier Wochen alt. Die Zeit rennt und rennt und rennt. Und es ist schon wieder so viel passiert, dass ich schon gar nicht mehr alles zusammenkriege. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versuche ich die letzten Wochen für euch zusammenzufassen.

Erste große Veränderung: Ich bin seit Beginn des Schuljahres zu 100%, das heißt fünf Tage die Woche, an der Linda South Primary School. Diesen Tausch haben wir im Einverständis des ASC, meinem Projektpartner Fabian und beider Headteacher getroffen. Somit bin ich nicht mehr an der Simoonga Primary School aktiv. Fabian, mein Projektpartner wird dort nun verstärkt anpacken und ist nicht mehr mit mir zusammen an der Linda South.

Nach fast vier Wochen kann ich sagen, dass es für mich eine sehr gute Entscheidung war. Die Arbeit in Simoonga hat mir viel Spaß gemacht und ich habe tolle Erfahrungen gemacht. Jedoch ist es für mich viel einfacher eigene Ideen einzubringen und eine wirkliche Unterstützung zu sein, wenn ich konstant in einer Projektstelle arbeite und Abläufe genau mitbekomme. Genug dazu.

Was ist die letzten Wochen eigentlich so passiert?

 

Ich wurde befördert! Zum Assistant Bursar(assisierender Schatzmeister)/Building Officer/Project Manager/Sportbeauftragte. Puuh! Ganz schön viel! Wie ihr erkennen könnt, wird mir in der Schule ein enormes Vertrauen entgegen gebracht, so bin ich jetzt beispielsweise mitverantwortlich für die Finanzen der Schule. Bei Entscheidungen über Projekte, Ideen oder Ausgaben werde ich hinzugerufen und angehört. Auch wenn ich furchtbar unerfahren bin, macht es mir unglaublich viel Spaß mich in dem Maße einbringen zu dürfen.

Was habe ich konkret gemacht?

 

Ich habe in stundenlanger mühevoller Kleinarbeit ein Finanzregister für noch offene Schulgebühren erstellt. Die Buchführung brachte mich teils zum Verzweifeln, aber schlussendlich habe ich es geschafft alles irgendwie in eine Übersicht zu schustern. Die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass nur ein Bruchteil der Eltern ihre Schulden mit der Schule beglichen hatten, hieß Elternbriefe. Mehr als 400 Elternbriefe, den Drucker unfähig machende Stromausfälle und eine entnervte Susann später, hielt jedes Kind ein Schreiben an die Eltern in der Hand und alle in der Schule waren ein bisschen Stolz auf mich. (Wie das mit den Schulgebühren hier läuft, würde ich euch gern nochmal später etwas ausführlicher erklären.)

Mit dem eingenommenen Geld (einige Eltern sind echt gekommen um ihre Schulden zu begleichen, yeah!) begann meine nächste große Aufgabe: einen neuen Klassenraum bauen. Die Schule platzt aus alles Nähten. Jeden Tag kommen neue Schüler. Eigentlich ein Grund zur Freude, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken. Doch eine 3-Klassenzimmer-Schule für nun 460 Kinder, da wird es irgendwann verdammt eng. Im letzten Jahr wurde ein behilfsmäßig ein zusätzlicher Klassenraum zusammengeschustert. Doch ein weitere ist notwendig. Und so sah man mich beschäftigt durch die Stadt von Hardware Shop (so etwas wie ein kleiner Baumarkt) zu Hardware Shop radeln und fleißig Kostenvoranschläge einzuholen. Am nächsten Tag habe ich dann gemeinsam mit dem Direktor die Materialien gekauft und zur Schule transportiert. Mit, sagen wir außergewöhnlichen, Methoden haben wir es geschafft, diesen neuen Klassenraum in etwas mehr als 2 Wochen nutzbar zu machen.

 

Aufgrund des Raummangels werden die Schüler in zwei Perioden unterrichtet. Die Klassen werden also entweder vormittags oder nachmittags unterrichtet. Das heißt als Schüler hast du entweder am Morgen oder am Abend nichts zu tun. Meine Chance! Ich bin gerade dabei ein reguläres Sportprogramm für die älteren Klassen zu implementieren. Bis her läuft es mal besser, mal schlechter. Ich muss noch einen Weg finden, die Mädchen besser zu motivieren. Doch viele Jungs sind mit vollem Elan dabei! Zur Zeit ist das Thema Leichtathletik. Doch wie übt man in Sambia Hochsprung? 1. Not macht erfinderisch. 2. Kinder sind nicht aus Zucker. (Bitte nicht zu ernst nehmen!). So schusterte ich aus zwei Latten und ein paar Nägeln Hochsprungpfosten. Die Erde einer kleinen „Weitsprunggrube“ wurde fleißig gelockert, etwas Sand und gemähtes Gras hinzugefügt und tadaa! Da haben wir unsere Hochsprunganlage. Ein Hoch auf die Unkompliziertheit!