Lusaka - Hauptstadteindrücke

Sonntagmorgen stehen wir mit Sack und Pack am Busbahnhof in Livingstone, der eher einen freien staubigen Platz umsäumt von kleinen Buden darstellt. Dann geht es los. Aus dem Busfenster heraus sehe ich endloses, karges Buschland, kleine Dörfer mit buntgekleideten Marktfrauen am Straßenrand, Kühe mit riesigen Hörnern mitten auf der Straße, meterhohe Termitenhügel und eine Unmenge an Schlaglöchern.

Sechs Stunden Busfahrt später sind wir in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, angekommen. Was wir hier wollen? Unser einjähriges Visa beantragen, damit wir nicht in wenigen Wochen als Illegale im Land sind. Und so mache ich meine erste Erfahrung mit sambischen Behörden. Gott sei Dank half unsere Koordinatorin dabei, sonst wären wir vier hier definitiv gescheitert. Einen kompletten Tag hat es gebraucht um unseren Visaantrag in der gewünschten Form einzureichen. Als wir es dann endlich geschafft hatten, war mein Geduldsfaden gefährlich dünn geworden ;) Nun heißt es hoffen, dass unser Antrag angenommen wird.


Das einzig Sehenswerte in Lusaka waren für mich die riesigen Märkte, auf denen man wirklich alles kaufen kann, von Bergen an Schuhen bis lebendigen Hühnern, von Autoreifen bis eimerweise Bratöl. Stehenbleiben und sich in Ruhe umzusehen empfiehlt sich allerdings nur, wenn man von zwölf laut auf einen einredenden Marktverkäufern umringt sein will. Sonst ist die Sambias Hauptstadt voller Autos, Müll, hohe Mauern und heruntergekommenen Bürogebäuden.


Für ein, zwei Stunden machten wir einen Ausflug nach Europa. In Lusaka sprießen riesige Shopping Malls wie Pilze aus dem Boden. Sobald man durch die gläserne Automatiktür geht, hat man das Gefühl wieder in Europa zu sein und vergisst, dass man eigentlich in einem der ärmsten Länder der Welt steht.


Die Kontraste zeigen sich hier in Lusaka noch viel deutlicher. Auf der einen Seite eröffnet eine Shopping Mall nach der nächsten. Auf der anderen Seite versuchen uns Menschen unangenehm aufdringlich irgendetwas (Besen, Getränke, Handyguthaben, Sonnenbrillen, Ladekabel…) zu verkaufen, nur um am Ende des Tages ein paar Kwatcha auf der Hand zu haben. Sie stehen  Tag für Tag an Straßenkreuzungen oder dem Busbahnhof, laufen umher und hoffen einen Käufer für ihre Ware zu finden. Sambia ist nach Südafrika das Land mit der ungerechtesten Einkommensverteilung weltweit. Das ist mir erst in Lusaka richtig bewusst geworden.

 

 

Das Beste an unserem Hauptstadttrip war der Besuch der Deutschen Botschaft, in der uns großes Interesse und Anerkennung an unserer Freiwilligenarbeit im Land entgegengebracht wurde. In einer sehr lockeren Atmosphäre tauschten wir Erfahrungen und Erwartungen aus und durften sogar den Botschafter Herrn Burkart kennenlernen.

 

Schlussendlich war ich einfach froh Mittwochnacht nach achteinhalb Stunden anstrengender, enger Busfahrt wieder in Livingstone anzukommen und todmüde ins eigene Bett zu fallen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Die Walzöge (Dienstag, 30 August 2016 12:24)

    Wieder coole Bilder und ein informativer Bericht. Aber ... hast du noch immer kein Kroko getroffen?