Kleine Geschichten aus Livingstone


Wie ich in Sambia das erste Mal den deutschen Nationalfeiertag feiere

Ich probe schon mal für meine Karriere als Botschafter. ;-)
Ich probe schon mal für meine Karriere als Botschafter. ;-)

Bis jetzt habe ich mich jedes Jahr einfach über einen freien Schultag Anfang Oktober gefreut. Auf die Idee, diesen Tag als Nationalfeiertag zu feiern, wäre ich nie gekommen. Doch es gibt immer ein erstes Mal. Eines Morgens kam die E-Mail ins Haus geflattert, dass alle registierten Deutschen im Land zur Feier zum Tag der deutschen Einheit nach Lusaka in die Botschaft eingeladen sind. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Und so genossen wir am 3. Oktober mit circa sechshundert anderen Gästen Bratwürste, Sauerkraut, Gulasch und Apfelstrudel, schüttelten viele Hände und beantworteten neugierige Fragen über unseren Freiwilligendienst. Das Beste war, dass all die anderen weltwärts-Freiwilligen, die überall verstreut in Sambia ihre Einsatzstellen haben, auch da waren und wir unsere ersten Erfahrungen austauschen konnten. Und so feierte ich mit viel deutschem Essen im Bauch mitten in Sambias Hauptstadt das erste Mal in meinem Leben den Tag der deutschen Einheit.


World Teachers Day

Es gibt, wusste ich vorher auch noch nicht, einen Internationalen Tag zu Ehren aller Lehrer, den sogenannten „World Teachers Day“, jedes Jahr am 5. Oktober. Während in Deutschland wahrscheinlich kaum einer um die Existenz dieses Tages weiß, ist das hier ein richtig großes Ding. Mit Blaskapelle an der Spitze ziehen alle Lehrer gemeinsam in einem schier endlos langen Marsch durch die Stadt, um sich anschließend auf einem Platz zu versammeln, wo verschiedenste Ehrungen und Ähnliches vergeben werden. Ich war richtig erstaunt, wie unglaublich viele Lehrer es im District Livingstone gibt. Doch wenn man sich überlegt, dass 50% der sambischen Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist, wird klar, dass es einer sehr hohen Zahl an Lehrer und Schulen bedarf. Am „World Teachers Day“ entschließen sich die Lehrer nicht zu unterrichten, sondern ihren Beruf zu feiern. Ein bisschen wiedersprüchlich finde ich das schon, zumal für diesen Tag für Transport- und Essenskosten oftmals die so schon viel zu knappen Schulgelder verwendet werden. Die Feierlichkeiten sollen die Lehrer motivieren und ihren gesellschaftlichen Status verbessern. Fehlende Motivation ist zumindest an den zwei Schulen, an denen ich arbeite, definitiv ein Problem. Doch ob ein Tag wie dieser daran etwas ändert?


Endlich zu den Viktoriafällen

Während viele Touristen nur nach Livingstone kommen, um sich dieses Naturwunder anzuschauen, hat es bei uns acht Wochen gedauert, bis wir den Ort vor unserer Haustür besichtigen, für den nicht selten Besucher um die halbe Welt fliegen. Der einzige Grund für unser langes Ausharren war das Warten auf die Ausstellung unserer Aufenthaltsgenehmigung, mit der wir den gleichen geringen Eintrittspreis, wie die lokale Bevölkerung, zahlen. ;-) Die berühmten Viktoriafälle präsentierten sich uns allerdings nicht als unglaublich-gigantisch-riesige Wasserwand, sondern als ein paar wenige Rinnsale, die eine senkrechte, nackte Felswand hinunterstürzen. Die Viktoriafälle verändern ihr Gesicht im Laufe eines Jahres extrem und zur Zeit ist halt Trockenzeit. Da fallen statt 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde „nur noch" 170  m3/s. Dennoch sind sie auch „trockenen Zustand“ jeden Besuch wert. Und den ein oder anderen Vorteil hat der niedrige Wasserstand definitiv. Denn dann ist es möglich einen Blick über die Kante zu wagen, oder gar ein Bad im berühmten „Devilspool“ zu nehmen.


Große Kisten und neue Möglichkeiten

Eines Morgens stehen im Büro der Schulleiterin große Pappkartons. Die schier unglaubliche Neuigkeit: In den Kisten befinden sich neun (!) nigelnagelneue Computer, mir blieb der Mund offenstehen! Genau zwei Schulen im ganzen District Livingstone haben Computer von der Regierung erhalten, die Simoonga Primary School war eine davon. Was für den ganzen District betrachtet ein Witz an Unterstützung ist, ist für unsere Schule ein riesiger Schritt nach vorn. Jetzt stehen uns ganz andere Möglichkeiten offen. Mit nun 12 Schulcomputern wendet sich die Situation um den praktischen Computerunterricht um 180 Grad. Wenn jedoch alles so einfach wäre… Die Kisten stehen jetzt seit einigen Wochen ungenutzt und ungeöffnet im Büro, weil es keinen Raum gibt, um die Computer dauerhaft zu installieren. Verschiedene Umbaumaßnahmen müssen geschehen, um einen einbruchssicheren Raum zu schaffen und die kleine Bibliothek wurde fürs Erste leider abgebaut. Es ist zwar wunderbar, dass der Schule die PCs zur Verfügung gestellt werden, nur bedürfen die Umbaumaßnahmen jetzt Geld, dass die Schule einfach nicht hat. Fabi und ich bemühen uns um mögliche finanzielle Unterstützung der umliegenden luxeriösen Lodges, was sich jedoch als wesentlich schwieriger darstellt als erwartet. Die Sache bleibt spannend. Ich berichte, sobald es Neuigkeiten dazu gibt.


Independence Day

24. Oktober 1964 – Vor 62 Jahren erklärt Sambia seine Unabhängigkeit von den Briten. Heute, am  24. Oktober feiert das ganze Land seinen „Independence Day“ (deutsch: Unabhängigkeitstag) als Nationalfeiertag. Für viele Sambier ist das Anlass, sich von Kopf bis Fuß in die Landesfarben grün, schwarz, rot und orange zu hüllen. Extra geschneiderte Kleider und Hemden strahlen farbenfroh in der ganzen Stadt.

 

Conny und ich wollen den Feiertag nicht einfach verstreichen lassen und besuchen die große Veranstaltung zum Independence Day etwas außerhalb vom Zentrum. Wieder mal kam es ganz anders als erwartet. Während staatliche Veranstaltungen in Deutschland größtenteils aus steifen Reden und Händeschütteln bestehen, war diese hier pure Unterhaltung. Von Blaskapelle mit Militärmarsch bis verrückten Akrobaten, von Chören mit christlichen Lieder bis zu vielen verschiedenen, farbenfrohen,  traditionellen Tänzen, von bunten Masken und lauten Trommeln bis zur Michael-Jackson-Performance – es war einfach alles dabei. Besonders beliebt war das Tauziehen zwischen Polizei, Militär und Feuerwehr. Die sonst so strengen und meist schlechtgelaunten kräftigen Männer sich beim Tauziehen zum Deppen machen zu sehen, war ziemlich witzig. Außerdem gab es ein internationales Netballspiel, wo verschiedene Teams aus Livingstone gegen ein anderes Team aus Zimbabwe antraten. Auch wenn sich dieses dem Basketball ähnliche Spiel hier bei den Mädchen besonderer Beliebtheit erfreut, muss ich sagen, dass mir die Begeisterung noch etwas fehlt.

 

Obwohl die Veranstaltung ein großes buntes Spektakel war, muss man jedoch schlussendlich sagen, dass der Independence Day von vielen Leuten einfach als Anlass zur starken Alkoholisierung genutzt wird.


Klassische Tänze im sambischen Klassenraum

“One Two Cha Cha Cha One Two Cha Cha Cha” schallt es durch das Klassenzimmer der 6. Klasse. Die eigentliche traditionell kubanische Musik wird vom lauten mitzählen und mittrommeln auf den Tischen übertönt.

„One Two Cha Cha Cha“

Fabian und ich stehen vor der Klasse und zeigen langsam die Grundschritte vor. Dann wird selbst probiert. Nicht nur die Mädchen geben ihr Bestes, die Schritte so schön und exakt wie möglich auszuführen, auch die Jungs. Nur in Junge-Mädchen-Paaren zu tanzen bedurfte etwas Überredungskunst. Mit viel Gekicher und schiefen Blicken, konnte man dann aber auch das ein oder andere Tanzpaar bestaunen. Walzer, Cha Cha und Disko Fox zu tanzen, hat nicht nur Fabi und mir, sondern auch den Mädchen und Jungen viel Spaß gemacht. Diese Tänze sind neben den traditionellen afrikanischen Tänze seit Neustem sogar Lehrplaninhalt.


Es werde Licht

Gute Nachrichten von der Linda South Primary School - Wir haben jetzt Strom! Mithilfe von Spendengeldern konnte der Plan in die Realität umgesetzt werden und unsere Schule ans Stromnetz angeschlossen werden. Jetzt baumeln von der Decke Kabel und an der Wand gibt es Lichtschalter. Nur Licht gibt es noch nicht so richtig. Die Glühbirnen fehlen noch. Doch bald wird hier allen ein Licht aufgehen! :-D


Warten auf Regen

Während es bei euch zu Hausen nicht mehr aufhören will zu regnen, gibt es kaum etwas, was sich hier mehr herbeigesehnt wird. Jeden Tag sind 37 -41 Grad und ich hab vergessen wie es ist, nicht permanent zu durchgeschwitzt zu sein. Den sonst allmorgendlichen Blick aus dem Fenster um zu entscheiden, welche Kleidung angepasst ist, habe ich mir schon längst abgewöhnt. Es lacht sowieso jeden einzelnen Tag von früh bis spät die Sonne vom Himmel. Für großartige Sportaktivitäten ist es oftmals mittlerweile einfach zu heiß. Ich weiß nicht, ob ich mir in meinem Leben schon mal so dringend Wasser vom Himmel und Abkühlung für die Luft gewünscht habe. Seit einer Woche sammeln sich mehr und mehr Wolken am Himmel, die ich zuvor Wochenlang nicht gesehen habe. Bald bald ist es hoffentlich so weit. Wir zählen die Tage, bis das erlösende Nass die Bäume, Büsche und Gräser wieder grün werden lässt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Die Walzöge (Mittwoch, 02 November 2016 20:11)

    Hi liebe Susann, auf deinen letzten Blogeintrag hatten wir nicht geantwortet, aber deine Ausführungen natürlich mit Spannung gelesen, so wie auch heute. Danke, dass du uns auf so herrliche Art und Weise unseren Horizont immer wieder ein Stückchen "verrückst"