Goodbye boring holidays! - Ferienprogramm an der Linda South


Was machen sambische Kinder aus dem Compound denn eigentlich so in den Ferien? Entweder sie fahren aufs Dorf und zu Verwandten um dort mit anzupacken, helfen ihren Eltern auf dem Markt, haben viiiiiel Langeweile oder sie kommen zu unserem Ferienprogramm! Mit „uns“ meine ich Conny, meine Mitbewohnerin, Sarah, auch eine weltwärts-Freiwillige in Livingstone, die wir hier kennengelernt haben und mich.

Zusammen haben wir ein buntes Programm für die erste Ferienwoche zusammengestellt. Spontane Planänderungen waren im locker gestrickten Plan inbegriffen und ermöglichten uns auf Wetter und andere Gegenheiten zu reagieren. Aber lest selbst. :)


Montag

Conny, Sarah und ich sitzen im Taxi auf dem Weg zur Schule. Wir sind alle drei ein bisschen aufgeregt? Wie viele Kinder sind da? Hoffentlich nicht alle, die kommen dürfen, also Klasse 5 und 6. Das wären dann nämlich über 90 Kinder. Vielleicht sind auch viel zu wenige da? Oder gar keiner?

 

All unsere Bedenken können wir im Taxi lassen, als wir auf den Schulhof fahren und 40 lächelnde Gesichter sehen, die schon auf uns gewartet haben.

 

 

Begonnen wird heute mit ein paar Spielen. Der neuste Renner auf dem Schulhof: Fire, Water, Lighting (Feuer-Wasser-Sand). Dann geht es an die harte Arbeit ;-) Auf dem Schulgelände gibt es keinerlei Sitzgelegenheiten, doch das ändern wir diese Woche. Seit zwei Wochen stapeln sich 25 alte Reifen im Lehrerzimmer. Wo die herkommen? Die haben uns die Kinder gebracht, für jeden Reifen, den man im Compound findet, konnte man sich 10 Kwacha verdienen (circa 1€). Um ehrlich zu sein, ist mir bei diesen Reifen Angst und Bange geworden. Wenn ich daran denke, welche Reifen bei uns zu Hause in der Werkstatt aussortiert werden, weil das Profil zu abgefahren ist, dann hab ich hier eine neue Dimension an Reifenabnutzung erlebt. Von spiegelglatter Oberflächen oder abgefahren bis auf den Draht im Inneren des Reifens war alles dabei. Die Tatsache, dass mit diesen Reifen ernsthaft noch gefahren wurde, lassen wir mal außen vor und freuen uns einfach über die Gelegenheit diese sinnvoll wiederzuverwenden.

 

Mit Hacke, Schaufel und purer Muskelkraft werden 23 Löcher in den harten Boden gegraben, was definitiv viel schwerer war, als zu Hause. Besonders die Jungs sahen sich bei dieser Aufgabe in ihrem Element und buddelten, was das Zeug hielt. Mit den anderen haben wir ein Spiel gebastelt aus einer Klopapierrolle, einer Schnurr, Buntstiften und einem Kronkorken. (Einen ganz lieben Gruß an Tola für die tolle Idee!).

 

 

Dann war schon Mittag. Zur Stärkung gab eine große Portion Nshima (Maisbrei) mit Soyapieces. Dank unserer zwei herzallerliebsten Küchenfrauen wurden alle Bäuche gefüllt und wir konnten gestärkt Schritt 2 der Reifen-Aktion einleiten.

 

 

Leider müssen wir uns der Tatsache stellen, dass in der Umgebung in der die Schule steht, grundlegend alles was nicht niet-und nagelfest ist, geklaut wird. Um das zu verhindern, gab es nur eine Lösung: Beton! Und so kratzten alle gemeinsam Sand auf der Straße zusammen, vermischten Zement und Sand, gossen Wasser auf den Sand-Zement-Haufen und begannen ohne Betonmischer oder weitere Hilfmittel mit Schaufel und Hacke Beton zu mischen. Das anfangs noch zaghafte Einbetonieren endete darin, dass allesamt von Hand unsere Reifen einbetonierten. Wenn mich jemand fragt, was ich denn in Sambia gelernt habe, dann zählt Betonieren definitiv dazu. Leider reichte der Zement nicht für alle Reifen, so dass einige Löcher vorerst leer bleiben mussten.

 

 

Geschafft, aber zufrieden, wie gut alles gelaufen ist, verabschieden wir uns von den Kindern mit einem deutschen: „Bis morgen“.

 


Dienstag

Unser zweiter Tag begann mit einer sehr unschönen Überraschung. Vier der einbetonierten Reifen wurden über Nacht aus dem Boden gerissen. Die Reifen lagen noch da. Ich weiß nicht, ob es reiner Zerstörungswille war, oder ob diejenigen erwischt worden waren, bevor sie die Reifen wegtragen konnten. Wir versuchten irgendwie die eigene Wut runterzuschlucken und die Kinder zu motivieren, sich von so einem Rückschlag nicht entmutigen zu lassen. Wir werden sie einfach wieder von Neuem in den Boden setzen.

 

Für den Vormittag haben wir uns einen Gast eingeladen, Solomon, von der NGO (Nicht-Regierungsorganisation) „Greenpop“. Diese setzt sich insbesondere für Umweltbildung und Wiederbewaldung ein. In Sambia gibt es leider ein riesiges Problem mit Entwaldung, da enorme Flächen an Wald Jahr für Jahr gerodet werden um Holzkohle herzustellen. Der Verkauf dieser Holzkohle stellt für viele Menschen ein kleines Einkommen dar. Mit Pflanzungprojekten und Bildungsaktionen versucht Greenpop dem entgegen zuwirken. Runtergebrochen auf unser Ferienprogramm bedeutet das, dass Solomon mit viel Witz unseren Fünft- und Sechsklässlern die Bedeutung von Bäumen verdeutlicht und bewusst macht, wie wichtig es ist, sich für unsere Umwelt einzusetzen. Mit Malaktion und kleinen, selbsteinstudierten Rollenspielen verinnerlichten die Kinder spielerisch den Kontext. Ich bin mir sicher, dass es allen Spaß gemacht hat. Und mit Spaß lernt man ja immerhin bekanntlich am Besten. Zum Abschluss haben wir dann gemeinsam einen kleinen Mangobaum auf dem Schulgelände gepflanzt. Geschützt von dornigen Zweogen, die die Kinder um das Pflänzchen herumlegten, wird es hoffentlich nicht von den allesvernichtenden Eseln und Ziegen, die immerwieder über den Schulhof streifen, vernichtet.

 

Nach unserem leckeren Mittagessen, diesmal Nshima mit Bohnen, wollten wir eigentlich die restlichen Reifen einbetonieren. Doch die dicken Regenwolken am Himmel hielten uns zurück und wir verbrachten den Nachmittag einfach mit verschiedensten Spielchen.


Mittwoch

Team Challenge Day – So hatten wir diesen Tag in der Vorbereitung liebevoll getauft. Am Morgen werden 4 gleichgroße Teams eingeteilt, die ausgestattet mit Teamschminke und Teamnamen in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander antreten. So schickten wir die Team Tiger Sharks, Team Young Rangers, Team Commando und Team Chelsea ins Rennen. Von Staffelläufen bis Flussüberquerungen, vom Wasserweitergeben bis Dinge im Gelände suchen, jedes Spiel hatte es auf eine andere Art und Weise in sich. Dennoch eins hatten sie gemeinsam, man musste im Team arbeiten. Am Anfang kostete es uns noch viel Motivationsreden um etwas Teamathmosphäre und Zusammenhalt aufkommen zu lassen. Doch von Spiel zu Spiel wurde es besser und besser. Das Team, welches am Anfang gar nicht zusammenfinden wollte, Team Chelsea, war am Ende des Vormittags überraschenderweise Gewinner unseres Team-Challenge-Days. Bevor es jedoch zum Mittagessen ging, musste eine letzte Challenge bestanden werden. Alle Teams gemeinsam sollten auf Pappschachteln den „Sambesi“ überqueren, ohne runterzufallen. Nachdem das mit Bravour gemeistert wurde, gab es auf der Siegerehrung nicht nur für die Sieger einen Süßigkeiten-Preis, sondern für alle Teams.

 

Am Nachmittag betonierten wir dann noch die restlichen Reifen ein. So entstanden fünf kleine Sitzgruppen, verteilt auf dem Schulhof, die aber noch etwas trist aussehen. (Farbe kommt!)


Donnerstag

Die Aufregung der Kinder ist groß. Alle haben sich schicke Sachen angezogen. Der Grund? Wir machen einen Ausflug!

Durchgezählt und mit Mangos gestärkt laufen wir mit 50 Kindern los zur Livingstone Art Gallery. Diese liegt außerhalb der Stadt und circa eine Stunde Fußweg entfernt von der Schule. Also ein perfektes Ausflugsziel. Keiner der Kinder hat jemals die Art Gallery besichtigt, auch wenn der Eintritt frei und der Weg nicht allzu weit ist. An unserem Ziel angekommen, treffen wir Nina, unsere Mentorin und Daniel, ein Mitarbeiter des ASC Göttingen, meiner Entsendeorganisation, welcher frisch angekommen in Livingstone einen Tag bei unserem Ferienprogramm dabei sein möchte. Mit großem Interesse besichtigen die Kinder die Galerie. Gemälde von Tieren sind besonders beliebt. Ausgestattet mit Fragebögen erkunden zwei Gruppen die beiden Ausstellungen, während die andere draußen mit Sand, Stöcken und Blättern eigene kleine, vergängliche Kunstwerke herstellt. Dann wird durchgewechselt. Die Zeit rast davon und schon der ganze Vormittag schon wieder vorbei. Wir machen uns auf den Heimweg, zurück zur Schule, wo das Mittagessen wartet. Damit uns niemand zu schwach für den Weg durch die Hitze ist, gibt es für alle leckere Kekse. Ein Hoch auf glückliche Gelegenheiten und hilfsbereite Polizisten! Als wir auf dem Rückweg an einer Polizeikontrolle vorbeikommen, halten die Polizisten für uns einen leeren Truck an. Alle 50 Kinder hintendrauf und über Schotterpiste schnurrstraks zurück zur Schule. Sowas geht auch echt nur in Sambia!

 

Nachdem wir uns den ganzen Vormittag verschiedenste Kunst angeschaut haben, wollen wir am Nachmittag natürlich selbst ein wenig rumkünstlern. Doch mit welchem Material? Mit jede Menge Müll! Unter dem Stichwort Recycling-Kunst schütten wir mehrere Müllsäcke mit alten Plastikflaschen, Eierpappen, Tetrapacks, Tüten, Bechern, und vielen mehr im Klassenraum aus. Die Freude ist riesig. Nachdem wir alles erklärt haben, ging das hektische Wer-bekommt-das-coolste-Material-Hamstern los. Was insbesondere für uns Betreuer ziemlich lustig war. Dann wurde mit allem Enthusiasmus losgelegt. Beabsichtigt hielten wir uns sehr im Hintergrund und ich hatte das Gefühl, dass die Kinder es genossen haben, einfach mal machen zu könnnen was sie wollten. Und natürlich hatten Sarah, Conny und ich auch unseren Spaß mit den Material zu basteln :-P


Freitag

Bunt – Bunter – am Buntesten! Unsere schicken neuen Sitzmöglichkeiten sollen endlich ein bisschen Farbe bekommen. Und so wurde fleißig gestrichen, gepinselt, gemalt. Dabei wurden leider nicht nur die Reifen bunt, aber egal. Seht am besten selbst.

 

Danach ging es ins „Kino“. Mit geborgtenBeamer, Vorhang-Leinwand und Chitenge vor den Fenstern kreierten wir unser eigenes kleines Kino uund nahmen auf den Schulbänken Platz. Da fast keines der Kinder zu Hause Strom hat, ist Film schauen ein ziemliches Highlight. Leider war es für viele Kinder echt schwer, der Handlung zu folgen, unter Anderem weil oftmals sehr schnell gesprochen wurde.

 

Nach dem Mittagessen, hatten wir noch eine allerletzte Aktion geplant, die glücklicherweise im Klassenzimmer stattgefunden hat, da uns ein Wolkenbruch der sambischen Art (Ja, wir haben endlich, endlich Regen!) überraschte. Nach wochenlangem Tetrapacksammeln bastelten wir nun alle gemeinsam Schritt für Schritt kleine Tetrapack-Portemonnaies.

Rückblickend kann ich stolz sagen, diese Woche war ein voller Erfolg! Die Kinder hatten jede Menge Spaß und neue Eindrücke. Und auch auch für Conny, Sarah und mich war es ein Vergnügen. In dieser Woche kam mir immer wieder ein Satz in den Sinn. Gerd, der Jugendwart der Evangelischen Jugend in Pirna, hat immer bei der Vorbereitung von Rüstzeiten zu uns gesagt: „Freizeit schafft Blödsinn!“. Und im nachhinein ging es genau darum. Natürlich haben wir uns bemüht unser Programm so abwechslungsreich und spannend wie möglich zu gestalten. Dennoch war der eigentliche Sinn, die Kinder einfach beschäftigt zu halten und ein Auge auf sie haben zu können und sie einfach davon abzuhalten, irgendwelche Dummheiten anzustellen.

 

Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei allen Spendern bedanken. Durch Ihre/eure Spende war es uns möglich, ein tolles Ferienprogramm zu gestalten und den Kindern die Langeweile zu nehmen.

 

Vielen, vielen Dank und eine besinnliche Weihnachtszeit,

Eure Susann

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Kommentare: 3
  • #1

    Edda (Donnerstag, 15 Dezember 2016 16:24)

    Eine tolle und vor allem sinnvolle Aktionswoche. Super.

  • #2

    Antonia (Sonntag, 18 Dezember 2016 18:32)

    Heißa, wie cool das Schnurspiel dort aussieht! :-)
    Ich hoffe, eure schönen bunten Sitzreifen bleiben noch eine Weile stehen.
    Liebe nach Sambia ❤︎

  • #3

    der.krueger (Freitag, 23 Dezember 2016 15:08)

    Deine Eltern können nicht alles an Deiner Erziehung versaut haben. Fällt schwer zu glauben, aber scheint so.
    Danke für die pers. Post. Wir haben uns RIESIG gefreut.
    Hab Spaß da wo Du auch immer bist. Bist ein toller Mensch (auch wenn ich dich nicht mehr so richtig dissen kann) ;)