Ja, ich lebe noch ;-)


Und jetzt kommen auch endlich mal wieder ein paar Neuigkeiten von mir. Erschreckenderweise habe ich gerade festgestellt, dass das neue Schuljahr jetzt schon fast vier Wochen alt. Die Zeit rennt und rennt und rennt. Und es ist schon wieder so viel passiert, dass ich schon gar nicht mehr alles zusammenkriege. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versuche ich die letzten Wochen für euch zusammenzufassen.

Erste große Veränderung: Ich bin seit Beginn des Schuljahres zu 100%, das heißt fünf Tage die Woche, an der Linda South Primary School. Diesen Tausch haben wir im Einverständis des ASC, meinem Projektpartner Fabian und beider Headteacher getroffen. Somit bin ich nicht mehr an der Simoonga Primary School aktiv. Fabian, mein Projektpartner wird dort nun verstärkt anpacken und ist nicht mehr mit mir zusammen an der Linda South.

Nach fast vier Wochen kann ich sagen, dass es für mich eine sehr gute Entscheidung war. Die Arbeit in Simoonga hat mir viel Spaß gemacht und ich habe tolle Erfahrungen gemacht. Jedoch ist es für mich viel einfacher eigene Ideen einzubringen und eine wirkliche Unterstützung zu sein, wenn ich konstant in einer Projektstelle arbeite und Abläufe genau mitbekomme. Genug dazu.

Was ist die letzten Wochen eigentlich so passiert?

 

Ich wurde befördert! Zum Assistant Bursar(assisierender Schatzmeister)/Building Officer/Project Manager/Sportbeauftragte. Puuh! Ganz schön viel! Wie ihr erkennen könnt, wird mir in der Schule ein enormes Vertrauen entgegen gebracht, so bin ich jetzt beispielsweise mitverantwortlich für die Finanzen der Schule. Bei Entscheidungen über Projekte, Ideen oder Ausgaben werde ich hinzugerufen und angehört. Auch wenn ich furchtbar unerfahren bin, macht es mir unglaublich viel Spaß mich in dem Maße einbringen zu dürfen.

Was habe ich konkret gemacht?

 

Ich habe in stundenlanger mühevoller Kleinarbeit ein Finanzregister für noch offene Schulgebühren erstellt. Die Buchführung brachte mich teils zum Verzweifeln, aber schlussendlich habe ich es geschafft alles irgendwie in eine Übersicht zu schustern. Die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass nur ein Bruchteil der Eltern ihre Schulden mit der Schule beglichen hatten, hieß Elternbriefe. Mehr als 400 Elternbriefe, den Drucker unfähig machende Stromausfälle und eine entnervte Susann später, hielt jedes Kind ein Schreiben an die Eltern in der Hand und alle in der Schule waren ein bisschen Stolz auf mich. (Wie das mit den Schulgebühren hier läuft, würde ich euch gern nochmal später etwas ausführlicher erklären.)

Mit dem eingenommenen Geld (einige Eltern sind echt gekommen um ihre Schulden zu begleichen, yeah!) begann meine nächste große Aufgabe: einen neuen Klassenraum bauen. Die Schule platzt aus alles Nähten. Jeden Tag kommen neue Schüler. Eigentlich ein Grund zur Freude, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken. Doch eine 3-Klassenzimmer-Schule für nun 460 Kinder, da wird es irgendwann verdammt eng. Im letzten Jahr wurde ein behilfsmäßig ein zusätzlicher Klassenraum zusammengeschustert. Doch ein weitere ist notwendig. Und so sah man mich beschäftigt durch die Stadt von Hardware Shop (so etwas wie ein kleiner Baumarkt) zu Hardware Shop radeln und fleißig Kostenvoranschläge einzuholen. Am nächsten Tag habe ich dann gemeinsam mit dem Direktor die Materialien gekauft und zur Schule transportiert. Mit, sagen wir außergewöhnlichen, Methoden haben wir es geschafft, diesen neuen Klassenraum in etwas mehr als 2 Wochen nutzbar zu machen.

 

Aufgrund des Raummangels werden die Schüler in zwei Perioden unterrichtet. Die Klassen werden also entweder vormittags oder nachmittags unterrichtet. Das heißt als Schüler hast du entweder am Morgen oder am Abend nichts zu tun. Meine Chance! Ich bin gerade dabei ein reguläres Sportprogramm für die älteren Klassen zu implementieren. Bis her läuft es mal besser, mal schlechter. Ich muss noch einen Weg finden, die Mädchen besser zu motivieren. Doch viele Jungs sind mit vollem Elan dabei! Zur Zeit ist das Thema Leichtathletik. Doch wie übt man in Sambia Hochsprung? 1. Not macht erfinderisch. 2. Kinder sind nicht aus Zucker. (Bitte nicht zu ernst nehmen!). So schusterte ich aus zwei Latten und ein paar Nägeln Hochsprungpfosten. Die Erde einer kleinen „Weitsprunggrube“ wurde fleißig gelockert, etwas Sand und gemähtes Gras hinzugefügt und tadaa! Da haben wir unsere Hochsprunganlage. Ein Hoch auf die Unkompliziertheit!

Genug für´s Erste. Ich muss jetzt erstmal fix schauen, ob sich ein paar Fünft-und Sechsklässler motivieren konnten, etwas eher zu Schule zu kommen um mit mir zu trainieren. (Ich sitze gerade im Head Office, um euch endlich mal wieder zu berichten.)

 

Bilder folgen so schnell wie möglich, versprochen!

 

Viele liebe Grüße nach Hause und natürlich FROHES NEUES JAHR (Darf man das noch im Februar sagen? :D ),

eure trotz massig Regen sonnenverbrannte Susann

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Kommentare: 2
  • #1

    Antonia (Freitag, 10 Februar 2017 14:42)

    Ich kenne da noch ein Mädchen was sich nur schwer für Hochsprung von dir begeistern lassen würde, haha :-D
    Susann, es klingt herrlich, was du dort alles auf die Beine stellst. Und vor allem, dass du jetzt nur noch an einer Schule sein kannst, klingt richtig gut.
    Ich grüße dich aus dem Nachbarland Tansania. Wenn ich die kleinen Kinder hier von der Schule kommen sehe, denke ich an dich und freue mich. :-)

    Ahoi mit Liebe! <3

  • #2

    Die Walzöge (Montag, 20 Februar 2017 12:15)

    Super, wieder ein interssanter Bericht. Wenn wir in diesem Jahr etwas "zusammenschustern" wollen, können wir dich als Bauleiter buchen. Wir sind alle auch von der Sonne verbrannt. Allerdings war das die Wintersonne Kärnterns. Viele Grüße aus dem mittlerweile frühlingshaften Dresden.