Ein Traum wird wahr - Handball in Livingstone

Gefühlt habe ich mein Leben lang nie etwas anderes gemacht: Handballspielen! Zehn Jahre lang bin ich jede einzelne Woche mit meinem Team durch die Heidenauer Halle rannt, haben geschwitzt und geackert. Doch dann,  August 2016, hieß es: Goodbye Deutschland,  Goodbye Handball.

 

Nun, 11 Monate später wird mein Traum wahr! Ich darf präsentieren: Meine Handballmädchen und -jungs!

 

Wie ist es dazu gekommen?

 

 

Handball ist hier in Sambia leider noch sehr unbekannt. Doch die Begeisterung für diese herrliche Sportart wächst und wächst. In vielen Städten gibt es erste Handballschulteams. Nur noch nicht in Livingstone. Das soll sich ändern.

 

Mitte Juni, Zambezi Primary School. Neria, eine ehemalige sambische Nationalspielerin, die vor kurzem nach Livingstone gezogen ist, und ich pfeiffen das erste Training an. Es ist herrlich chaotisch. Erste Passübungen und die Dreischrittregel sollten erstmal ausreichen. Neria und ich arbeiten beide mit der NGO Sport In Action zusammen, welche, begeistert von unserer Idee, uns in der folgenden Woche Torpfosten aus Lusaka zusendet. Mit Hacke und Seil markieren wir Linien auf dem Sand-Grass-Staub-Boden und färben sie mit weißem Kalk. Auf diesem Untergrund ist ein Prellen des Balles auf dem Boden zwar nicht möglich, aber gute Handballspieler sollten ja sowieso mehr passen als dribbeln.

 

 

Zweimal wöchentlich treffen wir uns nach der Schule auf dem Sportplatz. Die Jungen und Mädchen sind sechste bis achte Klasse und hochmotiviert.

 

 

Doch meine sechs alten Handbälle, die ich im August letzten Jahres mitgebracht hatte, reichen für ein effektives Training mit teils bis zu 40 Kindern nicht aus. Außerdem fliegen die Bälle auf dem riesigen Sportplatz sehr weit, weil Tornetze fehlen.

 

 

Es ist der 4. Juli, ein riesiges Paket aus Deutschland, genauer gesagt aus Heidenau, erreicht Livingstone. Ich hüpfe vor Freude durchs Haus. Im Paket befinden sich viele verschiedene Bälle, darunter 13(!) Handbälle, und das Allerbeste: Tornetze!

 

 

Meine langjährigen Handballtrainer Frank und Lutz Müller vom SSV Heidenau haben von weit entfernt in der Heimat ungenutze Materialien zusammengestellt und auf die 7760 Kilometer weite Reise geschickt.

 

 

Endlich ist es Freitag. Schon die gesamte Woche habe ich mich auf diese Trainingeinheit gefreut. Das erste Mal können wir mit Tornetzen und zahlreichen Bällen trainieren. Unsere Spielerinnen und Spieler sind aus dem Häuschen. Nachdem wir uns nach der Erwärmung nochmal kurz zusammengesetzt haben und über Disziplin und Konzentration gesprochen hatten, folgte die beste Trainingseinheit die wir je hatten. Sarah, meine deutsche Co-Trainerin  und ich bestaunen kreative Spielzüge und eine aktive Abwehr im Zwei-gegen-zwei. Die Sprungwürfe werden immer besser. Alles in allem: Es fängt an, wie Handball auszusehen!

 

 

Es ist schwierig, einen Sport zu vermitteln, den die Kinder noch nie gesehen haben. Doch von Trainingseinheit zu Trainingeinheit machen wir riesen Schritte vorwärts. Die Unterstützung der Schule, an dem wir das Handballprojekt gestartet haben, ist riesig! Und die Begeisterung bei den Spielern auch!

 

 

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Frank und Lutz Müller vom SSV Heidenau bedanken! Einfach unglaublich, wie schnell und mit welche großer Selbstverständlichkeit Sie meinen „Hilferuf“ erhört haben und die Räder zuhause ins Rollen gebracht haben. Jahrelang haben Sie mir das Handballspielen beigebracht, haben mich motiviert und kritisiert. Nun stehe ich am gleichen Punkt, wie Sie vor vielen Jahren.  Ich habe endlich die Chance das viele Wissen, welches Sie mir über die Jahre beigebracht haben, weiterzugeben. Mit den zahlreichen Materialien ist es mir möglich, eine neue Sportart (und gleichzeitig die beste Sportart überhaupt) hier in Livingstone einzuführen und den Geist des Handballs etwas weiter in die Welt zu tragen.

 

VIELEN DANK!

 

 

In diesem Sinne auch ganz liebe Grüße an all meine Mädels und Trainer vom SSV Heidenau!

 

 

 

Hier ein paar Fotos, von unseren letzten Trainigseinheiten. Auf den letzten sieht man dann die vielen tollen Bälle und unsere schicken Netze.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Nina (Mittwoch, 12 Juli 2017 10:43)

    Super schoener Artikel! Toll geschrieben. Freue mich so das das endlich geklappt hat!